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Löhne 2008

Nivellierung statt Polarisierung
Die diesjährige Salärerhebung von Angestellte Schweiz liefert dank einer Reihe von Zusatzfragen neue Erkenntnisse über die Salärsituation in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sowie in der chemisch-pharmazeutischen Branche.
Von Werner Reimann

> zum Lohnrechner 2008 (nur für Mitglieder Angestellte Schweiz)

Resultate
Gemäss der im April/Mai 2008 von DemoSCOPE für Angestellte Schweiz durchgeführten Erhebung, an der sich 2'165 Mitarbeitende aus der ganzen Schweiz beteiligten, erhielten die  Angestellten in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) letztes Jahr ein Basissalär von durchschnittlich 7'962 Franken brutto pro Monat. In der chemisch-pharmazeutischen Branche waren es sogar 8'152 Franken.

Das ist auch für Schweizer Verhältnisse vergleichsweise viel. Zurückzuführen sind diese relativ hohen Durchschnittslöhne unter den Mitgliedern von Angestellte Schweiz einerseits darauf, dass dies starke Branchen geblieben sind, die viele gut dotierte Jobs anbieten. Andrerseits liegt dieses Ergebnis auch in der Struktur des Verbands begründet, dem überdurchschnittlich viele Kaderleute und Spezialisten angeschlossen sind. Das Bundesamt für Statistik weist in seiner Lohnstrukturerhebung 2006 für beide Branchen deutlich tiefere Löhne aus.

Löhne 2008


Gewinner…
Doch wie immer, wenn mit Mittelwerten operiert wird, decken diese grosse individuelle Unterschiede zu. So ist es auch hier: Es gibt Gewinner, und es gibt Verlierer. Zu den Gewinnern können sich jene 1340 Angestellten zählen, die sich gegenüber dem Vorjahr lohnmässig verbessern konnten. 64 unter ihnen gelang dies sogar ausserordentlich gut. Sie verdienen heute mindestens zehn Prozent mehr als noch im letzten Jahr. Erklärbar wird dies oft durch Funktionswechsel. Zwei Drittel derjenigen, die einen besonders grossen Sprung vorwärts gemacht haben, wurden mit neuen Aufgaben betraut und übernahmen mehr Verantwortung. Ausserdem zeigt die Detailanalyse, dass es sich eher selten um ganz junge Arbeitskräfte am Anfang ihrer Karriere handelt. Häufiger sind es Leute zwischen 31 und 45 Jahren, die sich bereits in eine Kader- oder Spezialistenposition emporgearbeitet haben. Die Hälfte unter ihnen verfügt auch über einen überdurchschnittlichen Schulsack (mindestens Fachhochschul-Abschluss).

Interessant dabei: Nur 12 der 64 grossen Gewinner haben dieses oder letztes Jahr den Arbeitgeber gewechselt. Das lässt den Schluss zu, dass man mindestens ebenso gut intern Karriere machen kann und nicht zwingend das Unternehmen verlassen muss, um vorwärts zu kommen. Und lediglich 20 sagen von sich, ihre Situation am Arbeitsplatz habe sich gegenüber früher verbessert. Für 13 hat sie sich sogar verschlechtert. Geld allein macht eben doch nicht glücklich.
 

… und Verlierer
Bemerkenswert ist allein schon, dass rund jeder und jede Dritte unter den Umfrageteilnehmerinnen und –teilnehmern – immer bezogen auf ein 100%-Pensum - heute nicht mehr verdient als letztes Jahr. 120 mussten sogar eine Lohneinbusse in Kauf nehmen. Analysiert man diejenigen 30 unter ihnen mit einem besonders grossen Lohnrückgang von mindestens zehn Prozent, zeigen sich unterschiedliche Muster: Bei acht dieser grossen Verlierer handelt es sich um Personen kurz vor der Pensionierung, die teilweise neue Aufgaben mit weniger Verantwortung übernahmen. Fünf weitere befinden sich zwar nicht in fortgeschrittenem Alter, haben aber ebenfalls einen neuen Job mit weniger Verantwortung als bisher angenommen. Bei vier Angestellten scheint die angespannte Firmensituation ausschlaggebend zu sein. 13 dieser 30 Fälle lassen sich mit den zur Verfügung stehenden Angaben nicht erklären.

Von Ausnahmen abgesehen, zählen diese grossen Verlierer zu den guten Verdienern mit noch immer mehr als 100'000 Franken Basissalär pro Jahr. Nur für wenige hat sich die Situation am Arbeitsplatz nach eigenem Dafürhalten verschlechtert. Ebenfalls nur in Einzelfällen fühlen sich diese grossen Verlierer in finanzieller Hinsicht unfair behandelt oder erwägen, die Firma zu verlassen. Das alles sind untrügliche Zeichen dafür, dass manche in bestimmten Lebenslagen bereit sind, freiwillig auf einen Teil ihres bisherigen Lohns zu verzichten oder dies sogar aktiv anstreben.


Grosse Dynamik im Arbeitsmarkt
Darüber hinaus sind diese Ergebnisse von Gewinnern und Verlierern auch einer von vielen Hinweisen dafür, wie dynamisch der Arbeitsmarkt ist. Gut jeder und jede dritte der 2'165 Umfrageteilnehmerinnen und –teilnehmer hat im laufenden oder vergangenen Jahr neue Aufgaben übernommen, oft mit mehr Verantwortung als bisher. Besonders häufig war dies in den jüngeren Altersgruppen bis 45 der Fall. Mehr als die Hälfte aller Angestellten erlebten in der gleichen Zeit in ihrem Arbeitsumfeld Umstrukturierungen, die sie teilweise verunsicherten. Und mehr als ein Drittel denkt an einen Stellenwechsel, sei dies extern oder intern.


Der Bonus wird salonfähig
Die diesjährige Erhebung bestätigte im übrigen die Ergebnisse einer kleineren Online-Umfrage, die Angestellte Schweiz vor einem Jahr ebenfalls in Zusammenarbeit mit DemoSCOPE zum Thema variable Lohnanteile realisiert hatte.

Demnach tragen die variablen Lohnanteile in den MEM-Branchen 4'500 Franken, in der Chemie sogar 8'115 Franken zum Brutto-Jahressalär bei. Das sind immerhin 4.3% bzw. 7.7% des gesamten Inhalts der Lohntüte. Allein 71% der Mitarbeitenden im MEM-Bereich und 84% in der Chemie kommen in den Genuss von leistungs- und erfolgsabhängigen Boni und Prämien, die sich damit als Lohnbestandteil fest etabliert haben. Hingegen bringen bezahlte Überzeiten, Schichtzulagen, Spesenpauschalen und Verkaufsprovisionen nur jeweils kleinen Minderheiten einen weiteren Zustupf.
 

Ausgleichende Entwicklungen
Schon seit längerer Zeit führt Angestellte Schweiz regelmässig Salärerhebungen unter seinen Mitgliedern durch. Beobachtet man die Periode von 1999 bis 2008 in der Metall-, Elektro- und Maschinenbranche, werden verschiedene ausgleichende Entwicklungen erkennbar.

  • Zum einen ist der Durchschnittslohn der mittleren und höheren Kader in dieser Zeit weniger stark gewachsen wie derjenige der unteren Kader, der Spezialisten und vor allem der Mitarbeitenden ohne Führungsfunktion.
  • Noch immer ist der Lohn stark ans Alter gebunden. Aber das Wachstum bei den beiden mittleren Altersgruppen war grösser als bei den vor der Pensionierung Stehenden. Auffällig zudem, dass bei der neuesten Erhebung erstmals auch die Löhne der Berufseinsteiger in der untersten Alterskategorie wieder angezogen haben.
  • Die Löhne bei den Angestellten mit Berufslehre sind in der Beobachtungsperiode mehr gestiegen als diejenigen der (Fach-) Hochschulabsolventen. Noch immer lohnt sich aber eine gute Bildung: wer ein Hochschulstudium abgeschlossen hat, verdient auch heute noch fast doppelt so viel wie ein ungelernter Arbeiter.

Eine Angleichung der Löhne hat sich zuletzt auch zwischen den MEM-Branchen und der Chemie/Pharma ergeben. Im MEM-Umfeld stieg der Durchschnittslohn in den letzten zwei Jahren um immerhin 5.1%, bei den Mitgliedern von Angestellte Schweiz aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie stagnierte er praktisch mit einer Zunahme von lediglich 0.9%. Verschiedene Indikatoren aus der aktuellen Umfrage verdeutlichen, dass die Mitarbeitenden die Entwicklung in den beiden Branchen unterschiedlich wahrnehmen:

  • 79% der MEM-Mitarbeitenden halten die Lage ihrer Firma für gut oder sogar sehr gut, aber nur 68% in der Chemie.
  • 50% der MEM-Mitarbeitenden erlebten in diesem oder dem letzten Jahr in ihrem Umfeld Umstrukturierungen. In der Chemie waren es volle 72%.
  • Ihre eigene Situation hat sich nach Ansicht von 26% der MEM-Mitarbeitenden verschlechtert. In der Chemie sind es 38%.
  • Nur 13% der MEM-Mitarbeitenden, aber 27% der Chemie-Angestellten bezeichnen ihren Arbeitsplatz als eher oder sogar völlig unsicher.

Tabellen mit Auswertungen
icon Salaererhebung 2008 Löhne Chemie (12.00 KB)
icon Salaererhebung 2008 Löhne Mem (45.19 KB)

icon Salaererhebung 2008 Lohndifferenz Chemie (10.98 KB)
icon Salaererhebung 2008 Lohndifferenz Mem (35.93 KB)

icon Salaererhebung 2008 Boni Chemie (36.72 KB)
icon Salaererhebung 2008 Boni Mem (37.02 KB)

icon Salärerhebung 2008 Grafiken (95.07 KB)

 

Mediane
Nicht weniger als 1635 Mitarbeitende aus der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, 352 aus den Branchen Chemie und Pharma sowie 178 Antwortende aus anderen Branchen haben sich zwischen dem 3. April und dem 15. Mai 2008 online oder schriftlich an der Salärerhebung von Angestellte Schweiz beteiligt. Das ist eine erfreulich grosse Zahl, die für verlässliche und aussagekräftige Ergebnisse garantiert. Die Struktur der Antwortenden ist ausserdem mit derjenigen der letzten beiden Erhebungen weitgehend deckungsgleich.

Zentrale Kennzahl bei Salärerhebungen ist der Median, ein spezieller Durchschnittswert. Dieser teilt eine sortierte Zahlenmenge in zwei Hälften. Wenn also zum Beispiel in einem Kleinunternehmen mit 19 Angestellten die Saläre der Grösse nach geordnet werden, ist das Durchschnitts-Salär dasjenige der Person mit dem zehntgrössten Lohn. Dem Median wird gegenüber dem im Alltag gebräuchlicheren arithmetischen Mittelwert (engl. Mean) bei Salärstudien deshalb der Vorzug gegeben, weil er die Zahlen tendenziell „glättet“. Arithmetische Mittelwerte können hingegen nicht unwesentlich von einzelnen Extremwerten (hier: Grossverdienern), sogenannten „Ausreissern“, beeinflusst werden.

 


   
 
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