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Dem Mittelstand bleibt nichts Erspart(es)

Referat von Stefan Studer, Geschäftsführer Angestellte Schweiz

Der Mittelstand hat einen schweren Stand – ihm gehen die Mittel aus. Seit fast 20 Jahren tritt er an Ort und Stelle, obwohl er sich abstrampelt wie ein Hamster im Rad. Seit 1990 gibt es keine signifikante Änderung der Einkommen im Mittelstand – noch schlimmer: Die Steuerbelastung, die Wohnkosten und die Gesundheitskosten steigen und steigen, das durchschnittliche Einkommen mag da kaum mehr mithalten, übrig bleibt wenig. Der Mittelstand kann kaum etwas auf die Seite legen: 36 Prozent können gar nichts sparen, 25 Prozent weniger als 500 Franken, zeigt eine Studie des GfS Forschungsinstituts. Das heisst: über die Hälfte des Mittelstandes kann pro Monat höchstens 500 Franken auf die Seite legen – damit macht man keine grossen Sprünge, das haben wir vorhin am Beispiel von Andreas Vock eindrücklich gesehen.

Anstrengung muss sich lohnen
Auf die Dauer bleibt so auch ein wichtiger immaterieller Faktor auf der Strecke: Die Zuversicht, die Motivation. Wer glaubt denn unter diesen Umständen noch daran,  dass es sich lohnt, sich anzustrengen, wenn jegliche Aussicht auf Ernte ausbleibt? Resignation und Verunsicherung sind ein schlechtes Saatgut. 
„Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verloren gehe!“ – dieser Spruch aus der Bibel wird für den Mittelstand zum Leitspruch.
Aus diesem Grund sind wir heute hier - im Brockenhaus. Um zu zeigen, dass der Mittelstand zu einer Second-Hand-Schicht verkümmert, die sich kaum mehr etwas leisten kann.

Jeder zehnte fällt aus dem Mittelstand
Endlich gibt es eine Studie, die diese beängstigende Entwicklung belegt. Und die auch aufzeigt, wie  schwierig es ist, überhaupt in den Mittelstand zu kommen und auch darin zu bleiben. Das Risiko, innerhalb eines Jahres aus dem Mittelstand wieder herauszufallen, ist gross: 9,5 Prozent oder knapp jeder 10. fällt wieder hinaus. Und auf der anderen Seite dauert es sehr lange, bis jemand den Sprung in den Mittelstand überhaupt schafft. Nach wie vor haben es Berufseinsteiger sehr schwer, in den Mittelstand zu kommen.

Die Angestellten Schweiz verstehen sich als Anwalt und Stimme der Angestellten. Unsere 24 000 Mitglieder repräsentieren den Mittelstand. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass der Mittelstand eine Stimme erhält.

 
Arbeitgeber, Politiker und der Mittelstand selber sind gefordert
Die Angestellten Schweiz fordern, dass dem Mittelstand wieder eine Perspektive gegeben wird und dass der Mittelstand als tragendes Element unserer Wirtschaft gepflegt wird. Es darf nicht sein, dass die Triebfeder unserer Wirtschaft die Spannkraft verliert.
Gefordert sind die Arbeitgeber, die Politik, die Gesellschaft und der Mittelstand selbst.

  • Die  Arbeitgeber – sie müssen den Mittelstand mehr am Produktivitätsfortschritt  beteiligen. Berufseinsteiger sollen fair entlöhnt werden, damit sie Zuversicht gewinnen und motiviert sind, sich zu engagieren.
  • Gefordert sind die Politiker – der Mittelstand darf nicht über Mass gemolken werden. Steuern und Abgaben müssen gesenkt werden. Neue  Projekte  mit Fokus auf den Mittelstand sollen bevorzugt werden. Da gibt es bereits einige Hoffnungsschimmer: In Küsnacht und Erlenbach wurden kürzlich Bauprojekte angenommen, die für den Mittelstand neuen und bezahlbaren Wohnraum schaffen werden.
  • Gefordert ist aber auch der Mittelstand selbst – es wird Zeit, dass sich der Mittelstand Gehör verschafft. Selbstbewusst und ohne falsche Bescheidenheit soll er hinstehen und für seine Anliegen einstehen und da wo es nötig ist, auch kämpfen. So wie Andreas Vock es vorhin getan hat.
    Und die Angestellten Schweiz setzen sich dafür ein, dass der Mittelstand endlich ein Gesicht bekommt und dass seine Anliegen in der Gesellschaft anerkannt und ernstgenommen werden.
 
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