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Frühjahrstagung der Angestellten Schweiz: „Schöne neue Arbeits- und Lebenswelt"

Die Tagung der Angestellten Schweiz im Paul Klee Zentrum in Bern wagte einen Blick in die Zukunft. Renommierte Zukunftsexperten stellten ihre Zukunftsszenarien vor. 


Das einzig konstante in der Zukunft sei die Überraschung, sagte Georges T. Roos, Zukunftsforscher und einer der Referenten an der heutigen Frühjahrstagung der Angestellten Schweiz im Zentrum Paul Klee in Bern. 
Im Publikum sassen rund 80 Arbeitnehmervertreter aus ebenso vielen Angestellten-Vereinigungen von führenden Schweizer Industriebetrieben der Maschinenindustrie und der Chemie/Pharma.  

Roos erwähnte Gottlieb Duttweiler, welcher zu Beginn des 20. Jahrhunderts meinte, künftig könnten weltweit höchstens 1 Million Autos abgesetzt werden. Alles kam anders. Und doch: Es gebe Megatrends, an denen wir uns orientieren könnten, sagte Roos. Trends seien keine Prognosen, sie seien vielmehr übergeordnete Treiber, welche global wirken. Im Rahmen dieser Treiber könne es durchaus auch Überraschungen und Abweichungen geben. 

Vom geleiteten Menschen zum Individualisten
Einer dieser Trends sei die Individualisierung und die Pluralisierung der Welt. Roos erklärte die Entwicklung mit einem historischen Ansatz: „Vor der Aufklärung waren die Werte der Menschen determiniert durch die Religion, den Staat und die gesellschaftlichen Prämissen. Das Leben eines Menschen war schon bei seiner Geburt vorbestimmt.“ Die Aufklärung hat das Leben der Menschen verändert: Säkularisierung,  Befreiung von der Zunftordnung oder Demokratisierungstendenzen sind nur einige Stichworte. Heute ist der Mensch in die Welt geworfen. Er habe weniger Werte, welche ihn lenkten. Dies führe dazu, dass sich jeder selbst finden müsse, sagte der Zukunftsforscher. Jeder habe heute grossmöglichste Freiheit. Folge davon sei mehr Individualismus, aber auch Pluralismus. 

Fast zwangsläufig ging Roos auf die demografischen Veränderungen ein, welche er aber keineswegs verteufelte. Die „reife Gesellschaft“, wie er es nannte, sei eine Errungenschaft unserer Zivilisation. Der Arbeitsmarkt sei durch die demografischen Veränderungen nicht überfordert. Eben so wenig die Menschen: „Wir werden zwar an Jahren älter, aber nicht biologisch und medizinisch.“ Der 60-jährige sei heute viel fitter als noch vor einiger Zeit. In naher Zukunft könne es sogar so sein, dass der privilegierte Lebensabschnitt  mit 60 beginne. Auch die Freizeitbeschäftigungen werden sich entsprechend ändern. Roos sprach von einer „Teenagerisierung“ des Alters: „Senioren beim Bungeespringen anzutreffen, wird in Zukunft möglich sein.“ 

Von der Reparaturmedizin zum Human Performance Enhancement
Um im Alter noch fit zu sein, aber auch um den Belastungen im Arbeitsmarkt begegnen zu können, vollziehe sich kontinuierlich ein Paradigmenwechsel auch im Bereich Gesundheit. Wir leben noch im Zeitalter der „Reparaturmedizin“. Zunehmend werde Medizin aber nicht mehr reaktiv, sondern proaktiv in Anspruch genommen: Stichwort „Human Performance Enhancement“ – die Steigerung der Leistungsfähigkeit mittels bestimmter Substanzen. Heute konsumierten in Deutschland bereits über zwei Millionen Beschäftigte Arzneien, um den Belastungen im Job standzuhalten. „Die Beschleunigung der Welt bewirkt, dass die Leute sich ständig dopen – sogenannte Hochleistungszombies wären das Resultat davon.“

„Auf zu viel Doping folgt der Absturz“
Auf zu viel Doping folge unweigerlich der Absturz, sagte Edouard Currat in seinem Referat. Currat ist Mitglied der Geschäftsleitung der Suva und fokussierte auf die versteckten Gefahren, welche in der Zukunft lauern. Beim Human Performance Enhancement sei die Gefahr vor Missbrauch gross. Bereits heute gehörten Ritalin und Betablocker zu unserem Alltag. Currat wies aber auch verstärkt auf die sich wandelnden Freizeitaktivitäten hin: „Es sucht jeder nach dem Adrenalinschub, nach Grenzerfahrungen, und Risiken werden heute viel unbedachter in Kauf genommen.“ 

Besorgniserregend findet Currat die Entwicklung, dass die Technologie zunehmend die Sensibilität der Menschen ersetzt. „Technische Warnsignale helfen uns heute beim Einparken und vermeiden Unfälle – sie versuchen unvorhergesehenes zu vermeiden. Dies gibt uns Sicherheit, führt aber dazu, dass wir nachlässiger und damit unfallanfälliger werden.“

Welche Risiken kommen auf uns zu? Basierend auf der Zukunftsstudie 2029 installiert die Suva nun ein Früherkennungssystem mit sogenannten Futurescouts, welche die möglichen Risiken erkennen und bannen können. Eine Anpassung ihrer Studie ist auf 2012 geplant. Die Studie ist auf dem Internet zugänglich.  



Für Rückfragen: 

Hansjörg Schmid, Kommunikation Angestellte Schweiz, Natel 076 443 40 40

Reto Liniger, Kommunikation Angestellte Schweiz, Natel 079 467 22 77
 
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