Wie tickst du bei der Arbeit?

Arbeitstypen
Weisst du, was du für ein Arbeitstyp bist? Wie deine Chefin und deine Teammitglieder im Arbeitsalltag funktionieren? Dies hilft dir, deine Stärken auszuspielen und besser mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten.

Bei der Projektsitzung sind sich wieder einmal alle uneinig.

Abteilungsleiterin Sandra möchte vorwärtsmachen und gibt ehrgeizige Ziele vor. Für Programmierer Benjamin sind noch viel zu viele Details ungeklärt. Mediamatikerin Valérie hat die versprochene Visualisierung noch immer nicht erstellt, bringt aber begeistert drei neue Ideen ein. Otto zeigt für jedes Anliegen Verständnis. Er sagt, dass ihm noch Angaben fehlten, um die Dokumentation fertigstellen zu können.

Du bist Projektleiter*in und raufst dir die Haare.

Unterschiedliche Menschen arbeiten unterschiedlich

In diesem Projekt hast du es mit ganz unterschiedlichen Menschentypen zu tun, die ebenso unterschiedliche Arbeitsweisen haben. Wie zum Teufel bringst du alles auf einen Nenner und das Projekt zum erfolgreichen Abschluss?

Hilfreich für dich ist in dieser Situation, zwei Dinge zu wissen: Wie du selbst funktionierst und wie deine Teammitglieder ticken. Weisst du das, dann kannst du:

  • deine eigenen Stärken ausspielen,
  • die Stärken deiner Teammitglieder nutzen und
  • die Hindernisse aus dem Weg räumen.

Eine Typologisierung

Lass uns mal deine Teammitglieder typologisieren:

  • Abteilungsleiterin Sandra ist eine Macherin. Sie will, dass das Projekt effizient umgesetzt wird.
  • Für Benjamin muss jedes Detail bekannt und berücksichtigt und alles perfekt durchdacht sein.
  • Valérie möchte, dass man dem neuen Produkt die kreative Leistung ansieht und dass es die künftigen Nutzer*innen begeistert.
  • Otto ist der stille, stete Schaffer, der es mit niemandem verscherzen will.

Und was bist du?

Systematiken gibt es seit den Griechen

Googelt man im Internet nach Arbeitstypen, dann stösst man auf unterschiedlichste Systematiken. Klischierte Zuordnungen im Stil von «Sonnenschein» oder «Dr. Oberschlau» kann man gleich vergessen.

Ernstere Ansätze gehen bis in die Zeit der alten Griechen zurück. Sie unterscheiden die Temperamente Sanguiniker (Element Luft), Choleriker (Feuer), Melancholiker (Erde) und Phlegmatiker (Wasser).

Häufig im Internet zu finden sind Typologien, die sich von einzelnen Charaktereigenschaften von Menschen ableiten lassen – Arbeitstypen wie Organisationstalent, Chaotin, Perfektionistin, Trödler, Sensibler, Minimalistin. Der Nutzen ist beschränkt, da der Mensch auf eine einzige dominante Charaktereigenschaft reduziert wird.

Anführer*in oder Koordinator*in?

Zielführender ist eine Typologisierung nach Arbeitsstilen. Typen wie Zielorientierte*r, Teamplayer, Analytiker*in, Anführer*in und Koordinator*in sind auf Anhieb verständlich.

Erkennst du deine Teamkolleg*innen in dieser Systematik? Sandra ist eine Zielorientierte und Anführerin, Benjamin ein Analytiker, Valérie eine Individualistin und Otto ein Teamplayer. Du selbst würdest dich in diesem Projekt gut als Koordinator*in machen.

Menschen in ihrer Gesamtheit erfassen

Geht es in Betrieben darum, wichtige Funktionen zu besetzen, dann kommen ausgefeiltere Modelle und entsprechende Persönlichkeitstests zum Einsatz.

Eine in unseren Breitegraden bei der Personalauswahl häufig verwendete Typologie ist das DISG-Modell. Die Buchstaben stehen für Dominant = extrovertiertes und aufgabenorientiertes Verhalten, Initiativ = extrovertiertes und menschenorientiertes Verhalten, Stetig = introvertiertes und menschenorientiertes Verhalten und Gewissenhaft = introvertiertes und aufgabenorientiertes Verhalten.

Rote, Gelbe, Grüne und Blaue Typen

Den vier Grundtypen werden in der Anwendung des Systems meistens Farben zugeschrieben:

  • Rot für die Dominanten (Element Feuer)
  • Gelb für die Initiativen (Element Luft)
  • Grün für die Stetigen (Element Wasser)
  • Blau für die Gewissenhaften (Element Erde)

Aus diesen Zuschreibungen ergeben sich die Eigenschaften der jeweiligen Typen:

  • Menschen mit dominantem Verhaltensstil sind entschlossen, willensstark, bestimmend, fordernd, wettbewerbsorientiert, aber auch aggressiv und ruhelos.
  • Initiative Menschen sind beziehungsorientiert, spontan, gesellig, offen, herzlich, inspirierend und unterhaltend. Mit Disziplin, Details und Kontrolle haben sie es nicht.
  • Stetige Menschen zeichnen sich aus durch Treue, Loyalität, Hilfsbereitschaft, Teamfähigkeit, Geduld, Rücksicht und Zuverlässigkeit. Veränderungen und Selbstmarketing scheuen sie.
  • Den gewissenhaften Menschen sind Logik, Genauigkeit, Ordnung und die Details wichtig. Sie sind analytisch und sachlich. Sich selbst und anderen gegenüber sind sie kritisch.

Alle haben von allem

Nach dem DISG-Modell ist bei jedem Menschen jede Verhaltenstendenz aus den vier Bereichen vorhanden – allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Man kann normalerweise davon ausgehen, dass eine der Verhaltensweisen vorherrscht, eine weitere stark ausgeprägt ist, eine dritte mittelstark und die vierte schwach.

Aus den individuellen Ausprägungen ergibt sich dann ein differenziertes Bild eines Menschen- oder Arbeitstyps.

Mach den Test

Kommen wir zurück zu deinem Team.

Nach dem DISG-Modell ist Abteilungsleiterin Sandra unschwer als dominante rote Person zu erkennen – kein Wunder ist sie die Chefin. Benjamin ist der blaue Gewissenhafte – beste Voraussetzungen für einen Programmierer. Valérie ist als initiative, kreative Person eine gute Besetzung als Grafikerin. Otto schliesslich wird als stetiger grüner Typ die Dokumentation in bester Qualität abliefern.

Jetzt ist es an dir, herauszufinden, was du für ein Arbeitstyp bist. Vielleicht hast du in diesem Artikel Hinweise gefunden. Wenn du dir ganz sicher sein willst, mache einen Test. Oder noch besser: Mach ein professionelles Assessment – Anbieter findest du im Internet. Der Aufwand lohnt sich!

Welcher Arbeitstyp bist du? Mach den Selbsttest!

Autor*in

Hansjörg Schmid

Hansjörg Schmid

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